Filmreihe

CONTROCORRENTE | Gegen den Strom

5. - 9.12.2018

Gasteig - Carl-Amery-Saal

Rosenheimer Str. 5, 81667 München

 

 

Montessori

»Don Pino« Puglisi

Gramsci

Olivetti

Basaglia

Luigi Nono

 

Die Mehrheit der Menschen schwimmen mit dem Strom.

Wir alle befinden uns mitten im Strom. Auszusteigen erfordert Kraft, Mut und Selbstsicherheit. Öffentlich und gezielt gegen den Strom zu schwimmen aber bedeutet noch viel mehr: Es bedeutet so viel Kraft zu haben, um kämpfen zu können, damit wichtige Veränderungen in der Gesellschaft, in der Politik, in der Wissenschaft und in der Musik stattfinden können. Die Tragweite des “gegen den Strom Schwimmens” reicht dabei weit über das Leben der betreffenden Personen hinaus, die mit ihren Ideen und ihrem Handeln allen Hindernissen und Widerständen zum Trotz mit mutigen Schritten vorangegangen sind.

Die Filmreihe Controcorrente – Gegen den Strom ist sechs Italienern und Italienerinnen gewidmet, deren Überzeugungen eine – manchmal sogar weltweit wirksame – Revolution auf ihrem jeweiligen Gebiet ausgelöst und posthum unlöschbare Spuren hinterlassen haben.

 

Maria Montessori (1870 – 1952)

Eine weltberühmte Ärztin und Reformpädagogin, die eine umwälzende Lehrmethode konzipierte.

 

Giuseppe “Don Pino” Puglisi (1937 – 1993)

Ein sizilianischer Geistlicher, der selig gesprochen wurde.
Er war ein Held im Kampf gegen die Mafia.

 

Antonio Gramsci (1891 – 1937)

Der Mitbegründer der italienischen kommunistischen Partei (PCI) war einer der wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Eines seiner bekanntesten Werke, die “Quaderni del carcere” (dt. “Gefängnishefte”) enthält Gedanken über Sprache und Literatur, über Geschichte und Politik, die für die spätere Geistesgeschichte von eminenter Bedeutung waren.

 

Adriano Olivetti (1901 – 1960)

Ein Industrieller, für den die Arbeiter in erster Linie Mitmenschen waren. Er schuf für sie optimale Arbeits- und Lebensbedingungen und sorgte für ihre soziale und geistige Entwicklung.

 

Franco Basaglia (1924 – 1980)

Ein Reformpsychiater und Gegner der Anstaltspsychiatrie. Er war Verfechter eines menschlichen Umgangs mit psychisch kranken Patienten und kämpfte gegen deren gesellschaftliche Ausgrenzung.

 

Luigi Nono (1924 – 1990)

Ein Antifaschist und Kommunist und einer der wichtigsten Vertreter der musikalischen Nachkriegs-Avantgarde, der mit seiner Musik provozierte und gegen Indifferenz, Diskriminierung und Ausgrenzung kämpfte. Italien befindet sich momentan politisch und gesellschaftlich in einem katastrophalen Zustand: Es fehlt ein klares und richtungsweisendes politisches Programm und ein gefährlicher und europafeindlicher Rechtsruck macht sich bemerkbar. Und bedauerlicherweise gibt es derzeit noch niemanden, der “gegen den Strom schwimmt”, der ein exemplarisches Beispiel geben könnte.

 

Die Programmauswahl und die in den Filmen porträtierten Menschen sollen und wollen ein solches Beispiel geben – die Filme sind zudem Zeugnisse italienischer Geschichte.

Wir hoffen, unsere Besucherinnen und Besucher mit dem Programm und der Filmauswahl herauszufordern und zugleich zu bereichern.

Ilaria Furno Weise

 

 

Mittwoch | 5. Dezember 2018 |

18:30 Uhr (Teil 1) – 20:30 Uhr (Teil 2)

MARIA MONTESSORI – UNA VITA PER I BAMBINI

Maria Montessori – Ein Leben für die Kinder

Italien 2007 | 200 Min. | OmeU

R: Gianluca Maria Tavarelli

B: Gianmario Pagano, Monica Zapelli

K: Roberto Forza

M: Marco Betta

D: Paola Cortellesi, Massimo Poggio, Gian Marco Tognazzi, Lisa Gastoni

Im Jahr 1896 gelang es Maria Montessori, als eine der ersten Frauen in Italien im Fach Medizin zu promovieren. Während ihres Studiums hatte sie als Assistentin in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet und sich dabei besonders den benachteiligten und geistig behinderten Kindern angenommen. In ihrer späteren Arbeit prägte sie die Grundgedanken zu einer integrativen Pädagogik, denn sie war davon überzeugt „nicht das Kind soll sich der Umgebung anpassen, sondern wir sollten die Umgebung dem Kind anpassen.“ Sie entwickelte besondere und sehr erfolgreiche Lernhilfen und gründete 1907 eine Kindertagesstätte für Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die „Casa dei Bambini“. Bis heute wird die Montessori-Pädagogik weltweit geschätzt und anerkannt und gilt als ideale Methode, Kinder individuell zu fördern.

Das filmische Porträt einer faszinierenden Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts für ihre Ideen kämpfte wurde im italienischen Fersehen als Mehrteiler ausgestrahlt.

Im Anschluss folgt eine Diskussionsrunde.

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Donnerstag | 6. Dezember 2018

18:30 Uhr (Teil 1) – 20:30 Uhr (Teil 2)

ADRIANO OLIVETTI – LA FORZA DI UN SOGNO

Adriano Olivetti – Die Macht eines Traumes

Italien 2013 | 200 Min. | OmeU

R: Michele Soavi

B: Franco Bernini, Silvia Napolitano

K: Stefano Ricciotti

M: Paolo Vivaldi, D: Luca Zingaretti, Stefania Rocca, Elena Radonicich, Francesca Cavallin, Serena Rossi, Massimo Poggio

Ein Film über das Leben und Wirken des visionären Industriellen Adriano Olivetti, Spross einer jüdischen Unternehmerfamilie aus Ivrea im Piemont. Sein Streben nach Innovation in der Entwicklung und Fertigung von Produkten im Kommunikationsbereich ging Hand in Hand mit der Realisierung seines Traumes, einer zukunftsgerichteten, sozialen Arbeitswelt für die Mitarbeiter seines Unternehmens. Mit seinem genialen Instinkt für die Bedürfnisse des Marktes führte Olivetti das Familienunternehmen zu internationaler Größe. Er war Wegbereiter und Vorreiter in der Gestaltung optimaler Arbeitsbedingungen, räumte den Mitarbeitern Mitspracherecht ein und förderte das Betriebsklima durch die Schaffung von Freizeiteinrichtungen.

Die zweiteilige, von RAI-Fiction produzierte Mini-Serie war in Italien ein großer Erfolg, nicht zuletzt dank der schauspielerischen Leistung des als „Commissario Montalbano“ bekannten Luca Zingaretti in der Hauptrolle.

Im Anschluss folgt eine Diskussionsrunde.

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Freitag 7. Dezember 2018

18:30 Uhr (Teil 1)

20:30 Uhr (Teil 2)

C’ERA UNA VOLTA LA CITTÀ DEI MATTI

Es war einmal eine Stadt der Narren

Italien 2010 | 180 Min. | OmeU

R+B: Marco Turco

K: Marco Onorato

M: Mauro Pagano

D: Fabrizio Gifuni, Vittoria Puccini, Sandra Toffolatti, Branko Djuric

Der Psychiater Franco Basaglia war ein revolutionärer Vordenker für die einen, ein übler Nestbeschmutzer für die anderen. In den 1960er Jahren prangerte er unermüdlich die katastrophalen Missstände in den psychiatrischen Anstalten Italiens an, in denen Zwangseinweisungen, Elektroschocks und medikamentöse Ruhigstellung der Patienten an der Tagesordnung waren. Nach einem jahrelangen, fast aussichtslos erscheinenden Kampf gegen Hierarchie und Bürokratie übernahm er 1971 die Leitung der psychiatrischen Klinik in Triest mit der offen bekundeten Absicht, diese aufzulösen. Er gründete die Reformbewegung „Psichiatria Democratica“, deren Forderungen schließlich 1978 zur „Legge Basaglia 180“, einem Gesetz zur Abschaffung der psychiatrischen Anstalten führte.

Der im italienischen TV-Sender RAI ausgestrahlte, atmosphärisch dicht erzählte Zweiteiler zeichnet das Leben Basaglias und dessen Kampf gegen die gesellschaftliche Ausgrenzung psychisch kranker Menschen auf beeindruckende Weise nach.

In Anwesenheit von Dr. Marco Conci, Psychiater und Psychoanalytiker aus Trient.
Im Anschluss Publikumsgespräch

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Samstag | 8. Dezember 2018 | 18:30 Uhr

ALLA LUCE DEL SOLE

Vor aller Augen

Italien 2004 | 89 Min. | OmeU

R: Roberto Faenza

B: Roberto Faenza, in Zusammenarbeit mit Gianni Arduini, Giacomo Maia, Dino Gentili, Filippo Gentili, Cristiana Del Bello

K: Italo Petriccione, D: Luca Zingaretti, Corrado Fortuna, Alessia Goria, Giovanna Bozzolo, Francesco Foti, Sandro Dieli, Piero Nicosia

Giuseppe Puglisi wurde 1937 in Palermos Armenviertel Brancaccio geboren, wo die sizilianische Mafia, die Cosa Nostra, eine blutige Herrschaft führte. Nach seinem Theologiestudium und der Priesterweihe wurde er vom Bischof an eine Pfarrei in seinen Geburtsort berufen, wo sich Padre Puglisi bald einen Namen als engagierter Jugendseelsorger machte. Er gründete ein Gemeindezentrum und setzte sich mit einer Gruppe Freiwilliger mutig und entschlossen für die benachteiligten und perspektivlosen Kinder ein – und geriet infolgedessen zwangsläufig in Konflikt mit der korrupten Stadtverwaltung und der Cosa Nostra.

Regisseur Roberto Faenza schildert in seinem 2005 mit dem David di Donatello ausgezeichneten Film ALLA LUCE DEL SOLE das kompromisslose Leben Padre Pino Puglisis und dessen mutigen Kampf. In der Hauptrolle glänzt Luca Zingaretti, der v.a. in seiner Rolle des Commissario Montalbano bekannt wurde.

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Samstag | 8. Dezember 2018 | 20:30 Uhr

»Einführung in Leben und Werk von A.Gramsci«

mit Friederike Hausmann, Sachbuchautorin „Kleine Geschichte

Italiens von 1943 bis heute“, Übersetzerin.

21:00 Uhr

GRAMSCI 44

Italien 2016 | 66 Min. | Dokumentarfilm | OmeU

R: Emiliano Barbucci

B: Emanuele Milasi

K: Alessandro Cartosio

M: Marco Betta

D: Peppino Mazzotta, Americo Melchionda, Davide Cirri

Im Jahr 1926 begann das faschistische Regime Italiens, missliebige Intellektuelle auf Ustica, eine kleine, nördlich von Palermo gelegene Insel zu verbannen – einer davon war der kommunistische Politiker, Schriftsteller, Philosoph und Vordenker Antonio Gramsci. In seinen dort verbrachten 44 Tagen gründete er, zusammen mit seinen Mitgefangenen, eine Schule, die allen Bewohnern der Insel, egal welchen Alters und sozialer Schicht offenstand.

Der auf Ustica gedrehte Dokumentarfilm GRAMSCI 44 erzählt von den 44 Tagen der Gefangenschaft Gramscis und seinem mutigen Kampf gegen den Analphabetismus, ehe er von der Insel entfernt und in ein Gefängnis auf dem Festland verlegt wurde. In zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen wird deutlich, dass Gramscis einzigartiges Projekt der Aufklärung in der kollektiven Erinnerung der Inselbewohner bis heute präsent ist.

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Sonntag | 9. Dezember 2018 |18:30 Uhr

EINE KIELSPUR IM MEER – ABBADO. NONO. POLLINI

Una scia sul mare

Deutschland 2001 | 60 Min.

Dokumentarfilm | OmeU

R: Bettina Ehrhardt

B: Bettina Ehrhardt, Wolfgang Schreiber

Die Münchner Regisseurin Bettina Ehrhardt porträtiert in EINE KIELSPUR IM MEER den italienischen Komponisten Luigi Nono und dessen langjährige, tiefe Freundschaft mit dem Dirigenten Claudio Abbado und dem Pianisten Maurizio Pollini. Alle drei wollten mit ihren Mitteln die Welt verändern. Der intensive Austausch der drei so unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten hat so nicht nur der Musikwelt prägende Impulse gegeben, die Spuren hinterlassen haben und bis heute fortwirken.

Vor der Kulisse Venedigs, dem Geburts- und Wirkungsort Luigi Nonos, gibt der Film faszinierende Einblicke in die moderne Musikszene. In intensiven und sehr persönlichen Gesprächen mit Claudio Abbado und Maurizio Pollini, mit Nonos Witwe Nuria Schönberg-Nono und weiteren Weggefährten wird man unmittelbar von der Ausstrahlung dieses so ungewöhnlichen und unbeirrbaren Mannes erfasst und erfährt viel über Nonos Schaffen und Vorstellungswelt.

 

Zwischen den beiden Filmen:

Stehempfang im Foyer des Carl-Amery-Saals

 

Im Anschluss um 20:30 Uhr

INTOLLERANZA 2004 – FILM ZU NONOS SZENISCHER AKTION

Deutschland 2004 | 60 Min. | Dokumentarfilm | OmU

R+B: Bettina Ehrhardt

Sprecher: Ulrich Mühe, Tänzer: Koffi Kôkô

In INTOLLERANZA 2004 vertieft Bettina Ehrhardt ihren Blick auf Luigi Nonos künstlerische Botschaft, die Einheit von Komposition und Ethik. Nonos Werk „Intolleranza 1960“, eine „szenische Aktion in zwei Teilen“, sein erstes Werk für die Opernbühne, erhebt Anklage gegen Krieg und Folter, gegen Rassismus und Intoleranz, gegen die Verletzung der Menschenwürde. In szenischen, allegorischen Stationen, mit Nonos zeitgenössischer genialer Musik, wird ein namenloser Emigrant – verkörpert im Film durch den Tänzer Koffi Kôkô – zum Opfer von Naturkatastrophen und staatlicher Willkür.

Augenzeugen erzählen von der dramatischen Uraufführung in Venedig 1961, die die „Fascista“ sprengen wollten: Allen voran der Maler Emilio Fedora, der das Bühnenbild damals schuf, Nuria Schönberg-Nono, die Sopranistin Catherine Gayer, die die Compagna sang, Luigi Pestalozza, Nonos Weggefährte aus der PCI, sein Schüler Helmut Lachenmann, der Philosoph und frühere Bürgermeister Venedigs Massimo Caccari, der Dramaturg Nonos der späten Jahre und andere.

In Anwesenheit von Bettina Ehrhardt und Wolfgang Schreiber.
Im Anschluss Publikumsgespräch

Nimmt Teil bei facebook https://www.facebook.com/events/211317289636851/ 

 

WEITERE INFOS:

Veranstaltungsort
Gasteig, Carl-Amery-Saal, Rosenheimer Str. 5, 81667 München

 

Eintritt
Doppelprogramme: 10,00 €, ermäßigt 8,00 €. Einzelfilme: 7,00 €, ermäßigt 5,00 €

 

Karten
Vorverkauf ab 22. November 2018 im Gasteig (Glashalle) und an allen Vorverkaufsstellen von München Ticket
www.muenchenticket.de
Tel. 089 - 54 81 81 81
Abendkasse 1 Stunde vor Filmbeginn

 

Abkürzungen
OmeU – Originalfassung mit englischen Untertiteln
OmU – Originalfassung mit deutschen Untertiteln

 

Programmänderungen vorbehalten!

 

Veranstalter:
Cento Fiori Cinema
Filmstadt München e.V
Münchner Stadtbibliothek
gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München

 

Wir Danken:

Rai Direzione Teche (Anna Palombini), Jean Vigo Italia (Elda Ferri), Casanova Multimedia S. P. A.(Francesca Romana Di Grazia), Taodue Srl (Sibilla Caprini) für die Unterstützung bei der Realisierung unseres Projektes.

 

Informationen

www.centofiori.de 
www.filmstadt-muenchen.de
www.muenchner-stadtbibliothek.de

 

 

 

     Flyer

 

 

VORSCHAU:

La notte di Primo Levi / Die Nacht mit Primo Levi – zum 100. Geburtstag (1919-2019)

Literaturhaus München, Salvatorplatz 1

Circolo Cento Fiori zeigt im und mit dem Literaturhaus am 27. Januar 2019 den Film La Tregua (Die Atempause) nach dem gleichnamigen Roman von Primo Levi.

Im Anschluss folgt eine Diskussionsrunde sowie Lesungen zu diesem außergewöhnlichen, Italien und Deutschland verbindenden Schriftsteller.

Moderation: Maike Abath (Autorin)