GESCHICHTE UND VERANSTALTUNGEN VOM CIRCOLO CENTO FIORI e.V.



Der Circolo wurde im Jahr 1980 als demokratische und antifaschistische Vereinigung der in München arbeitenden Italiener gegründet, mit der Zielsetzung, soziale, kulturelle und Freizeit-Initiativen zu Verwirklichen und als Treffpunkt für seine Mitglieder zu dienen.

48 Mitglieder haben in ihrer ersten Versammlung am 18.01.80 den folgenden Vorstand gewählt:

 

Gründungs-Vorsitzender: Gianfranco Tannino
Vizevorsitzender: Pasquale Sacco
Sekretärin: Lorenza Del Fabbro
Kassierer: Fiorenzo Cianelli
Vorstandsmitglieder: Antonello Brunacci, Serena Granaroli, Francesco Cipolla 


Die Vorsitzenden des Circolo sind die folgenden gewesen: 
1980 - Gianfranco Tannino (Gründungs-Vorsitzender) 
1981 – Pasquale Sacco 
1982 – Antonio Andreotti 
1983 - Salvatore Cavallo 
1984 - Thomas Fritsch 
1985 - Vittorio Spano 
1986 - Franco Zambito 
1987 - Paolo Sala 
1988 - Theodosia Barresi 
1989/1995 - Pierangela Hoffmann 
1996/2005 - Paolo Gatti 2005/2008 - Emilia Sonni Dolce
2008/2009 - Paolo Gatti
2010/2014 - Paolo Sala e Pierangela Hoffmann
2014/2016 - Marinella Vicinanza e Dalia Crimi
2016/      - Ambra Sorrentino e Gianni Minelli

 

1980-1990

Die erste grosse Initiative des Circolo war die Organisation einer Hilfsaktion für die Opfer des schrecklichen Erdbebens in Irpinien (November 1980) mit mehr als 3000 Todesopfern. 
So sind drei Initiativen entstanden:

1) Wir haben zwei Lieferwagen und einen Jeep geschickt, die uns von deutschen Bürgern zur Verfügung gestellt worden sind. Die Wagen waren mit Kleidung und Baumaterial beladen und schlossen sich einer ab Bozen abfahrenden Fahrzeugkolonne an. 
Unsere Hilfe erhielten die Gemeinden: 
- Morra de Santis/Selvapiana (Avellino, Bürgermeister Rocco Pagnotta)
- Romagnano al Monte (Salerno, Bürgermeister Nicola Gallina) 
- und Santomenna (Salerno).
Unsere Mitglieder  und andere haben den Konvoi begleitet.

2) Zusammen mit dem "Comitato d'Intesa" (der Rat der Italiener) in München haben wir Infotische in einigen Stadtteilen in München aufgestellt und damit auch Geld gesammelt. Das gesammelte Geld, 10.375 DM, wurde der Confederazione dei Sindacati Unitari (Union der italienischen Gewerkschaften) übergeben.

3) Die bei den Theaterveranstaltungen eingenommene Summe von 3.457 DM wurde auf das Konto der Gemeinde Muro Lucano, Bürgermeister Vincenzo Jasilli, überwiesen.

Ein 
"Dossier Erdbeben" über unsere Tätigkeiten und Initiativen wurde an die italienische Botschaft in Bonn, an das italienische Generalkonsulat in München und an alle italienischen Vereinigungen in München geschickt. Die deutsche Fassung des Dossiers wurde von Thomas Fritsch erarbeitet.

Nachdem die Tageszeitung "Lotta Continua" für Solidarität mit den Insassen der Gefängnisse in Neapel (die sich in einem Komitee namens "dannati della terra", die Verdammten der Erde, vereinigt hatten) aufgerufen hatte, haben wir entschieden, ihnen 500 DM für ihre Anwaltskosten zuschicken. Mit einer Spende von 700 DM haben wir unseren Freunden und Gründungsmitgliedern, Eugenio Lupinacci e Gigliola Antonini, geholfen, ihr Projekt für den Bau einer Schule und eines Wasserbrunnens bei Bujumbura in Burundi zu verwirklichen. 

Während des Jahrzehnts 1980-90 hat der Circolo sowohl mit Democrazia Proletaria (eine linke Partei) als auch mit den italienischen Grünen zusammengearbeitet. Anlässlich der Europa-Wahl 1989 haben die italienischen Grünen Theodosia Barresi, die damalige Vorsitzende des CCF, zur Beauftragten für die politischen Beziehungen mit Deutschand ernannt. 
Im selben Jahr wurde Gianfranco Tannino Verantwortlicher der Democrazia Proletaria für den Konsularbezirk München und Mitglied des europäischen Parteisekretariats derselben Partei. Im darauffolgenden Jahr wurde in Zusammenarbeit mit dem Circolo Rinascita ein Treffen mit dem Mitglied des europäischen Parlaments Virginio Bettini organisiert. Virginio Bettini, der als Mitglied der Verdi Arcobaleno (die Partei der links-gerichteten Grünen) gewählt wurde, hat eine Rede über die Problematik des Umweltschutzes gehalten. 

Im Jahr 1983 kam zum CCF eine zahlreiche Gruppe von jungen Leuten, die Fussball spielten. Wir haben diese Gruppe gerne aufgenommen und für sie einen Fussball-Club gegründet, den "Cento Fiori Sport". Die Mannschaft spielte eine kurze Zeit als "Freizeit Kicker" und gewann dabei verschiedene Turniere. Später hat sie an der Fussballmeisterschaft der C Klasse teilgenommen, dann an der Seniorenmeisterschaft und wurde dabei zur Klasse B und dann zur A Klasse befördert. 

Nachdem unsere Beziehungen zu den italienischen Behörden jahrelang nicht leicht gewesen waren, haben wir 1987 mit dem italienischen Generalkonsul L. Crivellaro und mit der Beauftragen der Kulturabteilung des Konsulats Miralda Mazzanti fruchtbare Beziehungen entwickelt. 


In den Neunziger Jahren hat der Circolo, mit seiner Vorsitzenden Pierangela De Maron Hoffmann, seine Tätigkeit mit Kinovorführungen fortgesetzt. Die Kinovorführungen erfolgten zuerst im Kino Neues Arena, dann im Gasteig und im Filmmuseum. Der CCF ist Mitglied der 
Filmstadt München und auch von der FICC (italienische Vereinigung der Kinoclubs) geworden. Wir haben die Filmreihen “I giovani nel nuovo Cinema italiano”, “Cinema e musica”, “Il film politico”, “I giovani registi” vorgeführt. Unser letzten Themen waren “Film da non perdere”, “Regia donna”, “Paesagegi urbani e umani”. Es wurden auch Retrospektiven von Filmregisseuren (Franco Brusati, 1996; Fabio Carpi, 1999; Peter Del Monte, 200; Antonioni, 2003) organisiert. 

 

1990 - 2000

Parallel dazu war der Circolo auch bei anderen Veranstaltungen tätig: "La questione femminile", ein ungewöhnliches Feiern des 8 März 1992 mit Tilde Capomazza; im 1993 im Italienischen Kulturinstitut mit Rita Calabrese “Donne oggi a Palermo”; oder auch 1997 “La passione della differenza” mit G.Marsili Mazzarita und E. Sonni Dolce. 

Im Jahr 1996 wurde zum ersten Mal ein Bündnis der demokratischen italienischen Gruppen in München zustande gebracht: damit wollten wir für die Liste des "Ulivo" von Romano Prodi werben und somit verhindern, dass das von Berlusconi geleitete konservative Bündnis "Polo della Libertà" einen zweiten Wahlsieg bekommt. 

Seit 1997 hat der CCF, geleitet von Giovanna Runggaldier und Pierangela De Maron Hoffmann, zusam
men mit anderen Kinoclubs und mit dem französischen und dem spanischen Kulturinstitut an dem Biennale-Kinoprogramm “Giornate del Cinema Mediterraneo”, teilgenommen. Dabei hat er nicht nur italienische Filme angeboten, sondern auch italienische Regisseure und Schriftsteller eingeladen. 

Wir haben zwei Recitals mit dem "cantastorie" Nino Russo (1992 e 1997) Sizilien und seiner tausendjährigen Kultur gewidmet, einmal im Italienischen Kuturinstitut und einmal im Wolfgangssaal.

Der Circolo hat auch den COASCIT (Schulkomitee des Italienischen Konsulats) unterstützt. 

Paolo Gatti hat die 
Pomeriggi italiani” , eine Reihe von Veranstaltungen - es waren sieben zwischen 1991 und 2000 - organisiert. Zuerst wurde jedesmal eine italienische Stadt (Rom, Neapel, Florenz, Bologna und Venedig), mit Blick auf ihre kulturellen Besonderheiten und ihre Lebensqualität vorgestellt. Dann folgte 1998 Gli ultimi 30 anni di storia italiana ” in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und mit der Teilnahme des italienischen Journalisten Wladimiro Settimelli. Abschliessend fand 2000 die VeranstaltunAll'inizio del terzo millennio” statt, in der das dritte Millennium in einer ironischen und humoristischen Weise dargestellt wurde. 

 

2000-2015

Eine weitere Initiative wurde die jährliche Veranstaltung “Facciamo la pace”, die 2001 begonnen hat und aus der ein gleichnamiges Komitee entstanden ist. Ein interkulturelles, grenzübergreifendes Projekt zum Thema »Friedensbewegung«

2003 haben wir im Vortragssaal der Stadtbibliothek im Gasteig ein Programm angeboten, das von Emilia Sonni Dolce geplant und ausgeführt wurde, 
“Registi protagonisti” mit begleitenden Abschnitten aus Filmen von Nanni Moretti und Roberto Benigni.
Im gleichen Jahr wollten wir ein brisantes und noch ungelöstes Thema darstellen: so haben wir im Eine Welt Haus den Film 
“I banchieri di Dio” des Regisseurs Giuseppe Ferrara über den Fall Calvi vorgeführt, mit Vorstellung und anschliessender Diskussion. 

Der tragische Terroranschlag in New York und der anschliessende Krieg in Afghanistan hat uns dazu bewegt, den humanitären Verein “Emergency”, der den zivilen Kriegsopfern hilft, zu unterstützen, und ein Komitee aller Gruppen des italienischen Kulturkreises in München, die bereit sind, für den Frieden zusammenzuarbeiten, zu gründen. Zu diesem Komitee gehören jetzt auch die Vereinigungen “Rinascita”, “Scripta manent”, “Umanesimo” und die Münchner Sektion der italienischen Partei DS (Democratici di Sinistra). 

Der Circolo hat bei der Gründung der 
Alexander Langer Stiftung” mitgewirkt. Diese Stiftung erteilt jährlich einen Preis für diejenigen, die sich besonders für den Frieden und die internationale Solidarität eingesetzt haben. 
Er hat auch bei der Ansammlung des Gründungskapitals der 
Banca Etica und der Cooperativa Editoriale Il Manifesto beigetragen. 

2008  La giustizia in Italia”, (Die Justiz in Italien) in Zusammenarbeit mit der “Neue Richtervereinigung Bayern” und “RichterInnen und StaatsanwaeltInnen in VER.DI Bayern” im Goethe Forum

 

 

 

Partigiani. Gegen Faschismus und deutsche Besatzung. Der Widerstand in Italien in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat, dem Archiv der Münchner Arbeiterbewegung, der Gesellschaft für jüdische Kultur und Tradition, dem Förderverein Internat. Jugendbegegnung, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der Arbeitsgemeinschaft Verfolgter Sozialdemokraten, der Lagergemeinschaft Dachau und Gegen Vergessen- für Demokratie. In der Seidlvilla Haben Pierangela Hoffmann und Ilaria Furno Weise dazu beigetragen. Sie wurde von parallelen Veranstaltungen an verschiedenen anderen Orten in München begleitet. 

Die Veranstaltung im Goethe-Forum über Justiz in Italien wurde von Paolo Gatti moderiert und als "Öffentliches Interview" mit dem Staatsanwalt von Turin, Gian Carlo Caselligeführt. Gian Carlo Caselli ist zuerst in Turin mit Untersuchungen gegen den "roten Terrorismus" beschäftigt gewesen, dann sieben Jahre in der Staatsanwaltschaft von Palermo gegen die Mafia. Interviewerin war Christiane Kohl, Korrespondentin in Rom für die Süddeutsche Zeitung. Der Richter Caselli hat mehr als zwei Stunden über die Justiz in Italien, auch über die neuesten Gesetze, vor einem Publikum von mehr als zweihundert Leuten (der Saal war voll und viele konnten nicht mehr eingelassen werden), geredet. Der Rechtsanwalt Raoul Muhm hat dann Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen dem italienischen und dem deutschen Rechts-System erläutert, insbesondere hinsichtlich der Rolle des Staatsanwaltes. 

Die Austellung über die Widerstandkämpfer "Partigianiin der Seidlvilla, zu der Pierangela Hoffmann und Ilaria Furno Weise beigetragen haben, hat grosses Interesse und tiefe Emotionen geweckt. Sie wurde von parallelen Veranstaltungen an verschiedenen anderen Orten in München begleitet. 

Begegnung mit Francesco Guccini. Liedermacher, Schriftsteller und Zeitzeuge.

 

2008 Informationsveranstaltung mit dem Journalis­ten Giulietto Chiesa zur Berichterstattung des amerikanischen Kongresses über die Attentate vom 11. September 2001 mit dem Dokumentarfilm Zero.

 

 

 

  

 

2009: "Un’altra Italia".

Veranstaltungsreihen mit Konzerten, Filmen, Sminaren und Interviews zu Themen: Rechtsstaatlichkeit und Kampf gegen die Mafia.

2012: Un‘altra Italia stellt die italienische humanitäre Vereini­gung Emergency vor. Zu Gast: Präsidentin Cecilia Strada und der Arzt Marco Garatti, Moderation: Michael Braun (taz, Berlin)

2013: Un’altra Italia lädt die italienische Aktivistin und Schriftstellerin Lorella Zanardo zum Thema ihrer Kampagne ge­gen die Degradierung von Frauen in den italienischen Medien ein. Interview mit Andrea Dernbach (Tagesspiegel Berlin)

 

2014: Siamo tutti migranti. Veranstaltungen über Riace – Kalabrien mit dem Film Il volo von Wim Wenders und Domenico Lucano, dem Bürgermeister von Riace. Moderation: Michael Braun (taz, Berlin), Simultanübersetzung von Mitglie­dern des Circolo Cento Fiori e.V. und Studenten des Sprach- und Dolmetscherinstituts

 

 

 

2015-2018

 

 

2015: Quarant‘anni dopo: P.P.Pasolini e noi. – Der Dichter und Schriftsteller, der intellektuelle Provokateur und der Filmemacher. Zum Abschluss sein Film Mamma Roma (1962).

 

 

 

 

 

2017: 25 Jahre nach der Ermordung von Giovanni Falcone und Paolo Borsellino - IHR VERMÄCHTNIS. Interview und Diskussion mit Gian Carlo Caselli und Margherita Bettoni, Moderation Stefan Ulrich (SZ), Fotoausstellung und Filme: „Convitto Falcone“, „Die Frauen der Mafia“ und „Non parlo più“.

 

 

FILM-RETROSPEKTIVEN SEIT 2006

Giornate della cultura dei Paesi del Mediterraneo (Mittelmeer-Filmtage)

Italienische Emigranten in der Retrospektive Pier Paolo Pasolini

KAOS von Paolo und Vittorio Taviani. Zum 70. Todestag von Luigi Pirandello

Hommage an Massimo Troisi

Cinema e Storia d’italia I, II, III – dal 1799 ai nostri giorni (Film und Geschichte Italiens von 1799 bis heute). Elf Filme zur italienischen Geschichte über zwei Jahrhunderte und der Abschlussfilmreihe 150 Jahre Italiener: Eine Anregung zum Nachdenken

Die Odyssee des 21. Jahrhunderts – Immigrieren nach Italien

Omaggio a Francesco Rosi – poeta del reale Hommage an Francesco Rosi, dem Dichter und Realisten

Ettore Scola – Humanist des italienischen Kinos

 

"CINEMA REGIONALE"
FILME ÜBER ORTE UND REGIONEN ITALIENS

Mal di Sardegna (Sehnsucht nach Sardinien) Retrospektive von sardischen Filmen

Vittorio De Seta. Il mondo perduto (Die verlorene Welt). Kalabrien, Sizilien und Sardinien in zehn Dokumentarfilmen

Sguardo sulla Sicilia (Blick auf Sizilien) Sizilianische Filmwoche

Napoli nel Cinema (Neapel im Film). Im Schatten des Vesuv

Intenso Sud Kalabrien und Basilikata

Apulien Modernität und Tradition

 

Das Video mit Ambra Sorrentino und Gianfranco Tannino (Circolo Cento Fiori) wurde am 08.12.2016 im Werkstattkino geführt.
Dieses Interview und die folgende Interview mit Claudio Cumani (Comites) und Orazio Vallone (Rinascita) wurde für die Veröffentlichung der Ergebnisse der Tagung "Italienische Migration nach München 1955-2015", die am 21.12.2015 im Stadtarchiv München stattfand, geführt.Das Projekt war ein Kooperationsprojekt von: Stadtarchiv München, dem Comites und der Universität Salzburg.